IAA 2019, wohin geht die Branche oder fährt sie an die Wand?

csm IAA Pkw Besucher ImpressionenIAA Pkw Besucher Impressionen - Foto: IAA2017/VDAÜber dem Regenwald des Amazons liegen heute riesige Rauchwolken. Unsere globale „Lunge“ ist in Gefahr. Schwerölgetriebene Kreuzfahrtschiffe bringen Tag für Tag Millionen Urlauber und tausende Incentive-Gäste in die Lagune von Venedig oder das schmelzende Eis der Antarktis. Und die Messestände der IAA, aufwändig hergestellt und produziert aus wertvollsten Materialien, landen im großen Messeschredder. Und ziemlich genau vor vier Jahren ereignete sich dort im Umfeld der IAA „Dieselgate“.

Der Rückblick: Viele Dinge passierten seither, die vorher undenkbar schienen: dass eine schwedische Klima-Aktivistin und Schülerin zur größten Influencerin, meist gefragten Key-note-Rednerin und gleichzeitig zum größten Hassobjekt wurde. Oder, dass die Ex-CEOs und Ex-Erfolgsmenschen Winterkorn und Stadler, als zwei Stars der früheren IAA-Pressekonferenzen, nicht mehr selbstbewusst auf ihrem Messestand bei den PKWs stehen, sondern vor Gericht oder mit beiden Beinen im Gefängnis. Aber leider fand ein wesentliches Umdenken und Umsteuern nicht wirklich statt.

csm IAA Pkw IAA erlebenIAA Pkw IAA erleben - Foto: IAA2017/VDAZwei Kernindustrien für die Live-Kommunikationsbranche stehen an einem Scheideweg, die Autoindustrie und unsere Branche. Die Automobilunternehmen waren und sind -noch- die „Mutter aller Events und Messen“. Nirgendwo sonst sind Anspruch und Budgets so hoch. Einerseits betont der VDA, dass die Messe sich zur Technologieplattform verändert, was viele Aussteller (die keine ganzen Autos herstellen) auch belegen werden. Doch es werden gleichzeitig „spektakuläre Fahrzeugpremieren“ angekündigt. Man geht sogar noch einen Schritt weiter, denn wenn man sich die Werbung für den Off-Roadparkour anschaut, dann scheint der VDA nichts gelernt zu haben. Dann ist „Nachhaltigkeit“ eine reine Worthülse: „Höher, weiter, aufregender: Auf der IAA 2019 kommen Outdoor- und Geländefans voll auf ihre Kosten. Für Pulsbeschleunigung sorgt der anspruchsvolle Offroad Parcours mit extremen Schräglagen, Buckelpisten und Schlaglöchern.“ Natürlich werden auch zwei, drei Elektro SUVs als Feigenblatt dabei sein.
 
Der aktuelle Blick: Trotzdem kann auch der VDA nicht verhindern, dass mehr und mehr prominente Aussteller der Messe selbst oder den großen Flächen den Rücken kehren. Natürlich haben sie anderen Gründe, als den Klimaschutz. Aber sie erkennen, dass Aufwand und Wirkung der klassischen Autoshow-Präsentationen vielleicht die Dinosaurier der Live-Kommunikation sind und setzen auf die „Säugetiere“. Ob die bei Roadshows und in Pop-up-Locations präsentierten Fahrzeuge wirklich einen kleineren CO2-Fußabdruck haben oder auch der Event selbst, das sei mal dahingestellt.

Aber eigentlich müsste man noch einen Schritt weiter gehen. Angesichts von immer mehr Menschen in urbanen Ballungsgebieten, die eine ganz andere Mobilität leben, wird sich die Existenz-Frage auch unserer Branche stellen - wenn wir es nicht bald selbst tun. Dann reicht es nicht das Bio-Rind auf dem Cateringteller beim Launchevent eines 500PS-Boliden zu reichen. Ein Null-Emissionmodul, dass uns autonom von A nach B transportiert, zuverlässig, bequem, preiswert und klimaneutral, braucht eine andere Kommunikation und vielleicht nur ganz wenig Inszenierung. Und dann? Dann sind die Conaisseur-Events der verbliebenen Edelmarken zwar weiter luxuriös, aber mit überschaubaren Marketing- Budgets (was heute ja schon so ist).

Vielleicht müssen wir dann endlich von der Zweckfrage zur Sinnfrage kommen, warum wir tun, was wir so tun. Aber wir gehen jetzt erst mal Mitte September auf die IAA und werden dann berichten, was und wen wir da so sehen.

Autor: Stephan Schäfer-Mehdi


Copyright eventcompanies.de 2019
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