Auf dem Weg zur digitalisierten Monade

Bernhard Christoph Francke (gest. 1729), Gottfried Wilhelm Leibniz, Leinwand 81 x 66 cmMit großen Schritten schreitet die Digitalisierung der Live-Kommunikation fort. Das ist eine spannende Zeit, in der jede Minute neue Erfahrungen gewonnen werden. Schön und fruchtbar wäre es, die Programme und Systeme würden als „Open Source“ allen zur Verfügung stehen. Es ist verständlich, dass viele Unternehmen ihr „Betriebsgeheimnis“ für sich behalten, um in dieser harten Zeit mit ihrem länger existierenden oder neuen Businessmodell überleben und irgendwann wieder leben zu können.

Doch nicht nur in dieser Frage verhalten wir uns wie die metaphysischen Atome, die der Philosoph Leibniz als Monaden definierte. Ein etwas merkwürdiger Begriff, aber er kommt aus dem griechischen und bedeutet ursprünglich „Einheit“. In der Philosophie entwickelte er sich zu einem Menschenverständnis, einer geschlossen Einheit. Was ich damit, gedanklich verkürzt, meine, ist dass jeder Dienstleister und jedes Unternehmen sich wie die zitierten Monaden verhalten, die kein „Fenster oder keine Türe“ zur Außenwelt haben. Jeder arbeitet für sich. „Nur ich existiere“, da wären wir dann bei einem anderen Philosophen, nämlich George Berkeley.

Wahrscheinlich werden Psychologen in wenigen Jahren massenhaft das post-Corona Digitalsyndrom diagnostizieren. Zuerst waren viele Menschen nur noch über Teams, Zoom, Webex und Co. miteinander verbunden. Dann kamen virtuelle Live-Formate. Man fühlte sich plötzlich wie die kleine Alice, die in die Welt hinter den Spiegel trat. Doch plötzlich merkt man, das ist Literatur: es gibt keine eigene Welt hinter dem Monitor. Auch wenn wir sie noch so perfekt simulieren.

Digitale Event- und Messeformate haben längst ihre Berechtigung im Kommunikationsmix der Unternehmen. Es macht Sinn, sie auch nach Corona weiter einzusetzen. Doch wenn wir vermeiden wollen, dass wir in der Zukunft vereinsamte „Monaden“ in unseren Home-Offices bleiben, dann brauchen wir die reale Begegnung mit allen Sinnen.

Autor: Stephan Schäfer-Mehdi
Bildquelle: Wikipedia Christoph_Bernhard_Francke_-Bildnis_des_Philosophen_Leibniz (ca._1695)


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