Der große Katalysator

KassandraVorbemerkung: Wer jetzt lieber nur Optimistisches im Sinne von „Wir schaffen das“ lesen möchte, sollte einfach weiter klicken. Ich beschäftige mich gerade mit der Seherin Kassandra, die bekanntlich immer recht behielt, aber sich mit ihren Voraussagen unbeliebt bei ihrem trojanischen Volk machte. Tröstlich ist, dass im Untergang Trojas der Aufstieg Griechenlands begründet lag. Aber das ist eine andere Geschichte.

Heute stehen alle Räder still, weil ein winziger Virus das will. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm und - noch - nicht absehbar. Oder waren sie es doch schon? Denn „flatten the curve“ trifft ja nicht nur auf die exponentielle Ausbreitung der Krankheit und Ansteckung der Menschen mit dem Coronavirus zu, sondern auch auf die Erderwärmung. Diese Herausforderung und deren gewaltiges Krisenpotential sind immer noch nicht gelöst.

Wird alles wieder gut? Manches ist längst im Transformationsprozess. Viele Projektmeetings fanden schon nicht mehr leibhaftig statt. Manchmal war es den Entfernungen und Zeitzonen geschuldet, wenn zum Beispiel ein Team in Boston, eines in Wuppertal und das dritte in Peking miteinander kommunizieren mussten. Trotzdem wurde noch zu viel gemeetet: aus Statusgründen, weil das Meilenkonto noch nicht voll war und natürlich wegen des Geschäftsmodells der Agenturen, die Zeit in Form von Tagessätzen verkaufen. Aber die Goldgräberzeiten sind längst vorbei, immer härter haben die Kunden verhandelt und die Tagessätze reichten ohnehin hinten und vorne nicht. Weshalb man zu viele unproduktive Reisezeiten ohnehin schon vermied und Telefonkonferenzen oder Webmeetings abhielt.

Die Digitalisierung hat diese nichträumliche Face-to-face-Kommunikation ermöglicht Die Tools sind vielfältig, einfach und weit verbreitet, Skype, Teams, Zoom, Hangout, … Unsere Kunden werden sie zukünftig viel stärker nutzen, um unabhängig von Vulkanausbrüchen oder Pandemien zu sein. Da werden dann aber nicht nur einfache Meetings oder Trainings, sondern auch die großen Events und Messen auf den Prüfstand gestellt und Risiken, Kosten und Nutzen verglichen. Bei CeBIT, Photokina und IAA war das ja schon vor dem Coronavirus der Fall.

Ich glaube, wir werden zukünftig von Vielem Weniger brauchen, denn es wird nicht einfach „wie früher“. Auch wenn wir uns dahin zurücksehnen, die Realität wird hart. Viele Unternehmen werden sich erst mal von den immensen wirtschaftlichen Folgen erholen müssen und können sich kein „Business as usual“ leisten: und damit auch keine Messen, Events oder Incentives. Und im Best Case wird unsere Branche „nur“ schrumpfen. Es ist hart, aber wir brauchen und nutzen - realistisch betrachtet – zukünftig weniger Locations, weniger Catering, weniger VA-Technik, weniger Manpower, weniger Fluglinien, weniger Messebau …

Die digitale Transformation wird dabei nur einen Bruchteil an neuen Jobs schaffen können, was die Bilanz nicht nachhaltig aufbessern wird. Wichtig ist es jetzt sich zu überprüfen, Zukunftsstrategien zu entwerfen und auch ganz neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Haben wir eine andere Wahl?

Zu viel Schwarzseherei? Bräuchten wir jetzt nicht Optimismus? Ja, es wird wieder Events und Messen geben. Wer dafür „systemrelevant“ ist, der hat eine Überlebenschance. Wer sein „Immunsystem“ stärken will, sollte spätestens jetzt seine Flexibilität und Innovationskraft trainieren. Zum Beispiel durch Weiterbildung, aber das ist das nächste Thema.

Autor: Stephan Schäfer-Mehdi
Abbildung: Skulptur „Kassandra“ von Max Klinger


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