Zeit fürs Aufsichaufpassen

Aufpassen Stephan MehdiDas nächste Konzept muss präsentiert werden und wieder werden Nachtschichten geschoben. Den Agenturchef freut es, wenn nachts die Fenster hell erleuchtet sind. Die Kunden machen sich keine Gedanken über ihre Terminfestsetzungen, zum Beispiel was eine Pitchpräsentation Mitte Januar bedeutet, weil sie dann ohnehin im Weihnachtsurlaub sind. Muss das so sein?

So arbeiten wir, immer schneller, immer mehr, immer intensiver. Es ist schon ganz selbstverständlich geworden und, dass das mal nicht normal war, daran erinnern einen die High Potentials, die sich nach drei Vorstellungsgesprächen doch für eine völlig andere Lebens- und Karriereplanung entscheiden, die mit unserer Branche wenig zu tun hat.

Natürlich macht es vielen auch Spaß am großen Rad zu drehen. Doch wenn das zum ewigen Hamsterrad wird, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt, sind Burnout oder Depression die nächste Station. Das ist eher ein Tabuthema, weil wir ja so schöne Dinge machen und das Motivation genug sein muss für ein paar wegschminkbare Augenringe.

Ich bin kein Freund des Achtsamkeit-Begriffs. Denn der gutgemeinte Imperativ des „Seid achtsam“ setzt noch mehr unter Druck, denn dazu müsste man Zeit haben oder Zeit finden. Die wird einem nicht geschenkt. Auch Sabbaticals, ebenso wie Elternzeiten, können einen hohen Preis haben, nämlich dass der berufliche Wiedereinstieg nicht auf gleichem Level erfolgt. Da ist das schwedische Versuchsmodell vielleicht ganz interessant, wie es im Alltag und mit dem 6-Stundentag funktioniert. Der wurde erst vor wenigen Jahren eingeführt.

Aber vielleicht reicht es ja schon aus von den Schweden nur die Einstellung zu übernehmen, dass ein echter langer Sommerurlaub zum Beispiel wirklich mehr wert ist, als ständig abrufbar oder erreichbar zu sein. Na ich bin mal gespannt.

Autor und Foto: Stephan Schäfer-Mehdi


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