Bruegel lässt grüßen

Wimmelbid von Pieter Bruegel dem ÄlterenDie Habsucht - Wimmelbid von Pieter Bruegel dem ÄlterenFalco Zanini löste eine Diskussion aus. Er kritisierte öffentlich die Arbeitsbedingungen auf Messen und bei Events. Es ging weniger um müde Füße, sondern eklatante Verstöße gegen Arbeitsschutzbestimmungen. Die Zeitschrift Event Partner führt dazu eine Umfrage durch.

Zynisch müsste man fragen, ob die Umfrage auch auf Polnisch ist, denn auch im Messewesen hat sich das Subunternehmertum durchgesetzt. Auf den Messen erfolgen die Durchsagen beim Aufbau auch auf Polnisch. Rumänisch fehlt noch, aber das kommt vielleicht nächstes Jahr.

Ich will nicht ankreiden, dass die Kolleginnen und Kollegen aus den östlichen Europäischen Staaten hier ihr Geld verdienen. Wir sind eine internationale Branche und arbeiten ja auch in den USA, Dubai oder China auf unseren Projekten. Und für die Einhaltung der Vorschriften sind wir alle zuständig.

Aber es ist in der sägemehlgeschwängerten Messehalle schon eine eigenartige Arbeitsatmosphäre, die akkustisch an den Turmbau zu Babel und visuell an die Bruegel‘schen „Wimmelbilder“ erinnern. Zwei Wochen Aufbau und es gibt einige schaurige Szenarien zur Inspiration.

Sieben Meter hohe Leitern, auf denen Elektriker noch nach einem 12 Stunden-Tag turnen, übernächtigte Schreiner, die mit der Kappsäge hantieren... Was wäre eigentlich wenn, - wie in einigen Ländern - der ARBEITSSCHUTZ so groß geschrieben wird, dass es einen Mehrschichtdienst gibt, der von den Ausstellern auch entsprechend finanziell honoriert wird. In den USA sorgt der starke Arm der Trade Unions für die Einhaltung.

Viele Aussteller haben in ihren Unternehmen eine „Null-Unfall“-Politik. Einige internationale Companies setzen ihre Health, Safety, Security and Environment (HSSE) -Regeln auch auf Messen und Events um. Aber viele interessieren sich schlicht nicht dafür, wie aus einer Idee Realität wird, Hauptsache das fünf Mal runtergehandelte Budget und die spontanen Änderungen vor Ort werden im Zeitplan eingehalten. Und die Messebauer oder Agenturen lassen es - meistens mit ökonomischen Zwängen begründet - mit sich machen. Kein Messestand oder keine Produkteinführung sind das Risiko von Tod, Invalidität oder schweren Erkrankungen Wert. Aber ich glaube, die Bruegel‘schen Szenen spielen sich auch in Zukunft ab. Mögen alle Wohlbehalten von ihren Auf- und Abbauten heimkommen.

Hier geht es übrigens zur Umfrage.

Autor: Stephan Schäfer-Mehdi


Copyright eventcompanies.de 2019
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